Duo Claus Temps & Heike Bleckmann . Verfolgt und vergessen …
Liederabend in der Hemingway Lounge: Verfolgte und vergessene Werke von Ruth Poritzky, Richard Fuchs und Max Kowalski – Bewegende Live Musik und Geschichte
Datum: Sonntag, 8. November 2026
Uhrzeit: 18:00 – 20:30
Eintritt: 10,00 – 20,00 €
Ort: Hemingway Lounge, Uhlandstr.26, Karlsruhe
„Mit schwarzen Segeln segelt mein Schiff …“ . Verfolgt und vergessen . Claus Temps (Gesang und Moderation) . Heike Bleckmann (Klavier und Moderation) . Lieder von Ruth Poritzky, Richard Fuchs und Max Kowalski
Der Liederabend widmet sich den Komponierenden Ruth Poritzky, Richard Fuchs und Max Kowalski, deren Werke durch Verfolgung und Exil lange in Vergessenheit gerieten. Ausgehend von der Wiederentdeckung des Nachlasses von Ruth Poritzky verbindet das Programm Musik mit historischen Hintergründen und macht bedeutende Stimmen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wieder hörbar. Claus Temps gestaltet den Abend mit Gesang und einfühlsamer Moderation, Heike Bleckmann begleitet am Klavier und führt gemeinsam durch das Programm. Beide verbindet eine langjährige Konzerttätigkeit mit musikalisch-literarischen Themenabenden im In- und Ausland. Die ausgewählten Lieder erzählen von künstlerischer Ausdruckskraft, persönlichen Schicksalen und der bleibenden Bedeutung dieser Musik. Ein bewegender Konzertabend, der Erinnerung, Geschichte und Liedkunst auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.

Max Kowalski Aus: Zwölf Gedichte aus „Pierrot Lunaire“ op. 4
(1882-1956) von Albert Giraud, deutsch von Otto Erich Hartleben,
für eine Singstimme mit Klavierbegleitung
- Gebet an Pierrot
- Moquerie
- Die Estrade
- Der Dandy
Ruth Poritzky Aus: Nordsee
(1902–1942) Zyklus für eine Singstimme und Klavierbegleitung
nach Dichtungen von Heinrich Heine
- Aus den Himmelsaugen droben
- Graue Nacht liegt auf dem Meere
- Abenddämmerung
- Mit schwarzen Segeln
- Es ragt ins Meer der Runenstein
- Wie schändlich du gehandelt
- Das Fräulein stand am Meere
- Das Meer erstrahlt im Sonnenschein
Richard Fuchs Fünf Lieder auf Texte verschiedener Dichter
(1887 – 1947) – Unterwegs (Mascha Kaleko)
– Festtag (Ludwig Marx)
- In der Fremde (Heinrich Heine)
- Das Kaddisch
- Lament (Wilfred Gibson)
Max Kowalski Aus: Zwölf Gedichte aus „Pierrot Lunaire“ op. 4
(1882-1956) von Albert Giraud, deutsch von Otto Erich Hartleben,
für eine Singstimme mit Klavierbegleitung
– Der Mondfleck
– Die Laterne
– Heimfahrt
Zum Programm:
Ruth Poritzky, Richard Fuchs und Max Kowalski – drei künstlerische Lebensläufe, die auf je eigene Weise von musikalisch-künstlerischen Begabungen und Ambitionen geprägt waren, bevor sie durch die nationalsozialistischen Maßnahmen und Gesetze gegen Jüdinnen und Juden zunächst in ihren Entwicklungen und Ausdrucks-möglichkeiten eingeschränkt und später durch Verhaftung und Flucht beziehungsweise Ermordung gebrochen wurden. Während der Karlsruher Komponist und Architekt Richard Fuchs nach mehrwöchiger Haft in Dachau Anfang 1939 nach Neuseeland emigrieren und der Frankfurter Komponist und Jurist Max Kowalski nach Haft in Buchenwald 1939 nach London fliehen konnte, wurde die Karlsruher Sängerin und Komponistin Ruth Poritzky am 22. Oktober 1940 als eine von ca. 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden ins südfranzösische Lager Gurs deportiert; 1942 wurde sie in Auschwitz ermordet.
Alle drei waren bis zur Machtergreifung Anfang 1933 angesehene Künstlerpersönlich-keiten in Karlsruhe beziehungsweise Frankfurt. Zwischen 1933 und 1938 in ihren künstlerischen Aktivitäten auf den Jüdischen Kulturbund oder die Israelitische Kultusgemeinde beschränkt, gerieten sie und ihr Werk nach ihrer Flucht (Fuchs und Kowalski) oder ihrer Ermordung (Poritzky) weitgehend in Vergessenheit. Das Pro-gramm möchte dazu beitragen, die Komponistin und die Komponisten mit ihren Liedern zurück auf die Bühne zu bringen und sie als wichtige musikalische Stimmen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wieder hör- und erlebbar machen.
Die Ausführenden:
Claus Temps, Gesang, machte eine Gesangsausbildung bei Prof. Peter Elkus in Hamburg und Freiburg und entwickelte eine umfangreiche solistische Konzerttätigkeit in den Bereichen Lied und Oratorium. Er hat eine besondere Vorliebe für musikalisch-literarische und thematische Programme und arbeitet dabei regelmäßig mit den Pianistinnen Heike Bleckmann und Ira Maria Witoschynskyj sowie mit dem Karlsruher Musikwissenschaftler Dr. Joachim Draheim zusammen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei heute weniger beachteten Komponistinnen und Komponisten und ihrem Werk.
Heike Bleckmann, Klavier, studierte Klavier an den Musikhochschulen Würzburg und Karlsruhe. Studienaufenthalte in den USA und zahlreiche Meisterkurse, unter anderem bei Menahem Pressler, Edith Picht-Axenfeld und Helena Costa vervollständigten ihre Ausbildung. Die Pianistin übt eine umfangreiche Konzerttätigkeit aus, solistisch, in verschiedenen Ensembles (z.B. „Die 12 Pianisten“) und vor allem als Liedbegleiterin. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Ausarbeitung und Durchführung von Programmen, die Musik und Literatur verbinden. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Biografien und dem Werk von Komponistinnen, zuletzt u.a. von Fanny Hensel, Clara Schumann, Pauline Viardot, Ethel Smyth, Rebecca Clarke und Dora Pejačević.
Das Liedduo wurde mit seinen moderierten Programmen wiederholt zu Konzerten im deutschsprachigen Raum, nach Irland, Südamerika und Spanien eingeladen. Mehrfach gastierte das Duo auf Einladung der Fundación Goethe mit thematischen Programmen an herausragenden Orten in Spanien. Mit dem moderierten Programm „Auf Flügeln des Gesanges: Die schöne Friederike – Muse der deutschen Romantik“ war es im April 2025 auf Einladung der Mendelssohn-Gesellschaft zu Gast in der Mendelssohn-Remise in Berlin. Das Programm „Caspar David Friedrich – Stimmungsbilder der Romantik, Musik, Texte und Bilder zu Leben und Werk des Künstlers“ präsentierte das Duo aus Anlass des 250. Geburtstages des Künstlers in Madrid und Barcelona sowie in Karlsruhe. Auf Anregung des Stadtarchivs Karlsruhe befasste sich das Liedduo mit dem Notennachlass der Komponistin Ruth Poritzky und stellte deren Liederzyklus „Nordsee“ auf Gedichte von Heinrich Heine im Oktober 2025 im Rahmen einer Ausstellungseröffnung der Stadt Karlsruhe erstmals wieder der Öffentlichkeit vor.
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